Weblog-Archiv für 3. Juli 2009

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Geschichten aus dem Rotlichtviertel: Die Nacht

03/07/2009

Wenn die Abenddämmerung einsetzt, die Nacht aus ihrem Schlaf erwacht, dann beginnt das rege Treiben an der Frauentormauer. Die Rollläden werden nach oben gezogen, die Damen nehmen ihre Plätze ein, legen ihre Kondome und diverse andere Hilfsmittel bereit, überprüfen noch einmal ihr Make-up und ob die knappe Wäsche gut sitzt, dann nehmen sie ihre Plätze ein. Dort präsentieren sie sich also, in Erwartung eines lohnenswerten Abends.

Zugleich strömen von überall die Männer heran. Die vor wenigen Stunden wie ausgestorben wirkende Straße, ist nun reichlich belaufen durch diverseste Exemplare der Spezies Mann. Hier findet man wirklich die verschiedensten Typen.

Da wären zum einen die „Unsichtbaren“. Vertreter dieser Ausprägung bevorzugen es ungesehen zu bleiben. Meist sind sie schwarz gekleidet, den Hut tief ins Gesicht gezogen und Blick auf den Boden gerichtet, nur unterbrochen durch nervöses Umschauen. Sie machen kein großes Aufsehen, fragen meist nur flüchtig nach dem Preis und verschwinden, soweit er denn genehm ist,  in der Anonymität der Lusthäuser.

Dann gibt es die „Möchtegerne“. Sie sind die lautesten, frivolsten und diejenigen, die nur große Töne spucken. Sei es aus Ermangelung finanzieller Mittel, oder der einfachen Feigheit und Scham. Sie stehen meist in Kleingruppen vor besagten Etablishments und veranstalten eine riesen Show. Brüllen herum, Lachen laut, rufen den Damen perverse Sprüche entgegen und so weiter. Dieser Schlag Mann, regt mich persönlich am meisten auf. Sie werden ja doch nie hineingehen, benutzen die Damen nur als Anschauungsobjekte, um ihre sexuellen Phantasien anzukurbeln.

Letztere würde ich die „Mitläufer“ nennen. Meist anzutreffen in Zweier- bis Dreiergruppen. Sie halten sich für die Größten und Tollsten, trauen sich aber nicht im Alleingang in besagte Gebiete. Sie brauchen immer ihre moralische Unterstützung, um sich gegenseitig anzustacheln und das männliche Rudelverhalten auszuleben. Hier stößt man immer wieder auf Aussagen wie: „Jetzt gehen wir erstmal schön geschmeidig in den Puff.“ Dies ist ein super Beispiel, für die Fehlverteilung finanzieller Mittel.

Zu sagen bleibt eigentlich nur: Ihr armen Frauen, Lebensgefährtinnen und Freundinnen, seid froh nichts von dem zu wissen was eure Männer Nachts so treiben. Freud hatte Recht, das ES ist bei vielen Männern einfach zu dominant. Traurig aber wahr.