Ich liege wach, starre auf das Flimmern des Fernsehers, höre was gesagt wird, doch nehme es nicht wirklich wahr. In meinem Kopf wechselt sich Gedankenchaos ab mit völliger Leere. Ich habe die letzten Tage verzweifelt versucht, die Gedanken an den nahenden Abschied auszublenden, doch ich schaffe es nicht vollkommen. Ich blicke wehmütig auf die nächsten Tage, das Chaos in meinem Zimmer, welches entstand in der Verwirrung des Packens. Was muss mit, was muss vorerst zurück bleiben? Die materiellen Dinge, die bleiben, werden bald nachkommen. Die Menschen die ich zurücklassen muss, meine Familie und meine Freunde, nicht. Sie bleiben in der Heimat, weit weg von mir und meinem neuen Weg. Ein ganz neuer, aufregender und ungewisser Abschnitt beginnt und ein lehrreicher Abschnitt, der mich zu dem hat werden lassen was ich bin, endet. Ängste und Befürchtungen bauen sich auf. Angst davor, von den Freunden vergessen zu werden, wo wir doch erst wieder zueinander gefunden haben. Die Worte meiner Freundin hallen noch in der Erinnerung nach: „Ich bin doch nicht aus der Welt Maus!“ und doch vertreiben sie die Befürchtung nicht, dass dieser unglaublich wichtige Mensch bald nicht mehr da sein wird. Sollte der gemeinsame Teil der Fahrt schon zu Ende sein, auf der Zugfahrt des Lebens? Es werden neue Menschen in Erscheinung treten und vielleicht auch an Bedeutung gewinnen, doch heißt das auch, dass man andere gehen lassen muss? Bevor steht ein Aufbruch ins Ungewisse. Damit verbunden ist auch Freude darüber, endlich das gelernte anzuwenden, selbständig zu sein, eigenes Geld zu verdienen und sich etwas eigenes aufzubauen, irgendwo in der Ferne. Neue Menschen kennen zulernen wird mir nicht schwer fallen, ich bin nun mal ein kontaktfreudiger Mensch, aber trotz allem will ich die alten Freundschaften nicht missen. Eine Freundschaft die seit Kindertagen besteht, die sich zwar zeitweise aus den Augen verloren, sich aber doch wiederfand und nur noch mehr wuchs. Können sie dieses Mal die örtliche Trennung überstehen? Ich hoffe es und wie sehr ich es mir wünsche kann ich nicht in Worte fassen. Möglicherweise ist es nur der Gedanke an den Abschied der mich so beängstigt und ich werde schnell erkennen, dass jegliche Angst unbegründet war. Doch diese Antwort wird mir nur die Zeit geben können. Also werde ich warten, denn im Warten bin ich ja Meister.. (Mandy – Love you little Angel) [3:33 Uhr -.-]
Alle Veränderungen, sogar die meistersehnten, haben ihre Melancholie. Denn was wir hinter uns lassen, ist ein Teil unserer selbst. Wir müssen einem Leben Lebewohl sagen, bevor wir in ein anderes eintreten können.
Anatole France (1844-1924)
Hach, ich kann sooo gut verstehen, was in dir gerade vorgeht, das hatte ich beim Umzug nach München auch…
Aber keine Angst, dir geht unterwegs kein wichtiger Mensch verloren, du hast sie alle bruchsicher in deinem Herzen verstaut – das meine ich ganz positiv udn wertschätzend. Natürlich wirst du neue Leute kennenlernen und die ein oder andere Priorität wird sich ein wenig verschieben, aber es wird doch alles im Grunde genommen [erschreckend] gleich bleiben. Und glaub mir: Die wichtigsten Kontakte zu Familie und Freunden daheim verliert man nicht einfach so… Du hast dein Leben selber in der Hand, vergiss das nicht
Wünsche dir viel Glück!
♥
So ist es, das Leben, das Erwachsenwerden. Es wird noch einige solcher Aufbrüche in deinem Leben geben. Der erste ist sicher der schwerste…
Du schaffst das! Wir Daheimgebliebene sind immer für dich da.